051217/18

Es gab nie etwas, das ich mir so sehr gewünscht habe wie uns. Nichts, das ich so gerne hätte funktionieren sehen, wie unsere beiden Zahnräder, die ineinander greifen. Kein Lächeln konnte das in mir auslösen, was deines tat. Und kein Ort fühlte sich so sehr nach zuhause an, wie deine Arme.

Dein großer, grauer Pullover, in dem ich abends auf der Couch lag, war das worauf ich mich morgens nach dem Aufstehen schon am meisten freute. Und nie schmeckte der trüb gewordene Apfelsaft besser, als rauchend am Fenster in der Küche neben dir. Kein Tag war je länger, als die, dich ich ohne dich verbrachte. Und keine Nacht schien je so einsam, wie jene, die ich allein in unserem Bett totschlug.

Die Wohnung dort im Osten von Berlin war unserer beider Realität. Und niemals hätte ich auch nur eine Sekunde daran gezweifelt, dass es richtig war dort mit dir zu leben. Es war magisch, diese erste Nacht. Wir beide so nackt wie die Matratze auf der wir lagen. Und unsere Gemüter so rein, wie die Wände, die uns umrahmten.

Ich habe nie mehr Vorfreude. Güte. Entschlossenheit empfunden. Wie in diesem Moment. Ich habe zu keinem Zeitpunkt je etwas so klar gesehen wie unsere Zukunft, etwas so sehr geatmet wie deine Haut. Und ich habe niemals, weder Zuvor noch im Nachklang, so sehr geliebt wie zu jener Zeit.

Diese Wärme breitet sich immer weiter aus
von dem Stück rot in meiner Brust
bis in die Fingerkuppen und Haarspitzen
sodass das einzige was ich fühle,
diese wohlige Wärme ist.
Dieses Gefühl angekommen zu sein
und doch immer noch zu suchen
eine absurde Kombination
die mich doch durch die Sommernächte trägt
aber sich so ehrlich und wahr anfühlt
dass das Suchen
auf einmal,
weshalb auch immer,
nicht mehr schmerzte.

Da ist eine Lücke an der Wand,
wo kürzlich erst dein Bild noch hing;
wo unser beider Zukunft lag,
unser Wesen Wurzeln schlug.

Von der Wand bis zu den Fingerspitzen
zieht sich stets noch der Gedanke
an
warme Tage in der Ferne
eine immer fehlend starke Hand
an der Seite meiner Schulterwand.
Von dort aus auch zieht sich noch

an der Weiche meiner Lippen
und der Rundung meiner Brust vorbei
direkt in den Fokus der Wärme
in die rechte Seite meiner Leibesmitte
bid endlich an dem Stück rot in meiner Brust angekommen

der Schmerz von zwei getrennten Seelen,
den wir von Anfang an unser eigen nennen.

Mit diesem Schmerz einher
den Weg wieder zurück
an Steißbein, Wimpernschlag und Halspulsieren vorbei
zaubert der immer gleiche Gedanke
auch ein Lächeln in mein Gesicht.

Selten hat etwas so Zuckersüßes
so sehr auf meiner Zunge gebrannt.
Und doch konnte ich es nicht sein lassen,
musste dich, musste uns probieren.

Um mir letzten Endes doch ein Herz zu fassen
und dich und deine Welt
egal wie bittersüß die Erinnerung je war
für etwas neues, schönes zu verlassen.

Ich blickte auf das Bild.

Als die Türen noch nicht zerschunden waren und der Boden noch glänzte. Der Schwall des anfangs schwebte damals in der Luft.

Mein Blick hob sich und traf auf den am Boden liegenden, abgesplitterter Lack. Er wirkte fast wie Scherben und die aufgeplatzten Stellen an der Wand sahen beinahe aus wie klaffende Wunden. Ich habe sie bis heute noch nicht verschlossen, der richtige Farbton zum drüber streichen war mir bisher nicht über den Weg gelaufen.

Als er damals die Wohnung verließ, hatte er mir versprochen die Lücken noch vor seinem Weggang zu verschließen. Doch auch er hatte die passende Farbe nicht finden können. Wenn ich ehrlich bin, wundert es mich nicht.