In fremden Köpfen

Du bist eben auch nur ein Mensch,

denke ich.

Auch wenn sich das gerade anders anfühlt,

auch wenn ich stottere während ich das denk‘.

Jeder Gedanke an dich mein Herz füllt,

bist eben auch nur ein Mensch.

Denke ich.

Der nicht über mir steht,

nicht mehr ist als ich,

bloß weil du gerade mein einziger Gedanke bist,

der flüssig in mir schwebt.

Jeder andere Gedanke

nur stotternd daneben steht,

Vielleicht, denke ich mir dann,

fangen deine Gedanken bei mir ja auch zu stottern an.

Kann nicht sehen, was du denkst,

nicht wissen, was du fühlst.

Nur erahnen,

dass du stets die Kontrolle behalten willst.

So bin dafür viel zu wild

verworren emotional.

So ist es ok, dass du

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Mein inneres Gericht

Ich habe es hunderte Male versucht 

und bin doch jedes Mal gescheitert.

Mit gesenkten Haupt stehe ich nun abermals vor meinem inneren Gericht,

der Richter selbst trägt mein eigenes Gesicht. 

Meine Haut und Seele befleckt, 

wegen der Schuld, die sich in mir versteckt,

alle Aufmerksamkeit auf mich gelenkt

ehe ich mich traue aufzuschauen,

sehe ich hunderte Paare derselben Augen.

Nach Minuten der Stille

und meiner allerletzten Bitte

erhebe ich mich

ebenso wie des Richters Gesicht,

der kurz darauf mein Urteil spricht.

‘Schuldig im Sinne der Anklage’, lässt er verlauten.

Die hunderte Paare Augen

können es wie ich kaum glauben.

Ich schaue in des Richters Gesicht,

das noch immer meinem entspricht. 

‘Sich frei sprechen, kann nur, wer weiß,

seine eigenen Regeln zu brechen’, fährt er fort.

‘Schuld von sich weisen und gnädig sein’,

schließt er endlich ab

‘Ist nur dem vergönnt, der sich seine eigene Schuld verzeiht

und schlussendlich auch den letzten Zwefel von sich weist.

So haben Sie, Angeklagter, uns heute gezeigt,

was schuldig sein

im Grunde wirklich heißt.

Denn die Schuld, die man sich selbst zuschreibt,

ist meist die, die bis zum Ende bleibt.

Denn selbst würde ich, Richter, sie heute frei sprechen,

den Kreislauf der Schuld

müssen Sie für sich selbst brechen.’

051217/18

Es gab nie etwas, das ich mir so sehr gewünscht habe wie uns. Nichts, das ich so gerne hätte funktionieren sehen, wie unsere beiden Zahnräder, die ineinander greifen. Kein Lächeln konnte das in mir auslösen, was deines tat. Und kein Ort fühlte sich so sehr nach zuhause an, wie deine Arme.

Dein großer, grauer Pullover, in dem ich abends auf der Couch lag, war das worauf ich mich morgens nach dem Aufstehen schon am meisten freute. Und nie schmeckte der trüb gewordene Apfelsaft besser, als rauchend am Fenster in der Küche neben dir. Kein Tag war je länger, als die, dich ich ohne dich verbrachte. Und keine Nacht schien je so einsam, wie jene, die ich allein in unserem Bett totschlug.

Die Wohnung dort im Osten von Berlin war unserer beider Realität. Und niemals hätte ich auch nur eine Sekunde daran gezweifelt, dass es richtig war dort mit dir zu leben. Es war magisch, diese erste Nacht. Wir beide so nackt wie die Matratze auf der wir lagen. Und unsere Gemüter so rein, wie die Wände, die uns umrahmten.

Ich habe nie mehr Vorfreude. Güte. Entschlossenheit empfunden. Wie in diesem Moment. Ich habe zu keinem Zeitpunkt je etwas so klar gesehen wie unsere Zukunft, etwas so sehr geatmet wie deine Haut. Und ich habe niemals, weder Zuvor noch im Nachklang, so sehr geliebt wie zu jener Zeit.

Zwischen den Zeilen

Und zwischen den Zeilen
finde ich uns, 
verweilend, 
zwischen Liebe und Hoffnung
zwischen Blicken und Küssen
zwischen den mit Freude und Lachen
gespickten Witzen.
Zwischen den Zeilen
sehe ich uns, 
gemeinsam wartend am Ende der Nacht,
zwischen gestern und morgen
zwischen Träumen und Sorgen
zwischen den mit Liebe und Nähe 
ausgefüllten Morgen.
Fühle ich uns 
zwischen Worten und Berührungen 
zwischen Sonne und Stürmen
zwischen den mit Güte und Wärme 
gefüllten Gefühlen.
Und im kleinsten
sehe ich uns dann sitzen,
zwei beisammen,
die einzelnen Worte
ihrer gemeinsamen Geschickte schnitzen.
Höre ich uns rufen,
zwischen A und Z,
eine Geschichte so lang
wie das ganze Alphabet.

Kannst du mich bitte lieben?

Und wenn du mich liebst,

dann so hart,

dass mir Schmunzeln und Tanz vergehen,

so eindeutig,

dass meine Auge nichts anderes mehr wahrnehmen können,

so brutal,

dass sich mein ganzer Körper nach dir verzerrt.

Wenn du mich liebst,

dann nur so sanft,

dass du wie eine Feder meinen Körper streifst,

so mühelos,

dass du fast wie ein Windstoß vor meiner Optik verschwimmst.

So zart,

so zart wie deine Lippen gerade,

die schon seit Minuten auf meinen verweilen,

bevor ich aussprechen,

nein, gar denken konnte,

hattest du meinen Blick schon gefangen,

in ihm meine Sehnsüchte gelesen

und sie mit diesem simplen Kuss,

für jetzt und vielleicht bis in alle Ewigkeit,

auf die schönste aller Arten befriedigt.

Dann ist da doch wohl nichts geblieben
außer einer halb verwilderten Leidenschaft,
die wir beide uns aufzwängten
niemals zu benennen wussten
und die wir auf kurz order lang
niemals hätten aufrecht erhalten können.

Ich lege endlich alles ab
das nicht mir gehört.
Denn diese Zweifel,
die da seit Wochen jeden Morgen neben mir aufwachen
sind erst da
seitdem wir das erste Mal mein Bett teilten.
Und es scheint mir als hättest du
unabsichtlich oder nicht
sie dort einfach liegen gelassen.
Doch eigentlich gehören sie mir nicht.
Also habe ich sie heute morgen aus dem Fenster geschmissen
und nun strahlt mein Laken endlich wieder
genauso hell wie zuvor.

milch & honig

du verzerrst dich noch immer
nach dem letzten schluck milch im glas
dabei hast du schon so viel davon genommen
dass deine zunge und dein magen
davon schon ganz betrübt sein müssten.