Gedachte Gefühle

woran ich denke,

wenn ich deinen Namen nenne?

An Tanzen auf Dächern,

nachts um halb drei

dein und mein Lied,

das durch die Wohnung hallt.

Laute Gespräche,

noch viel lauteres Lachen,

an letzten Frühling

unser erstes Erwachen.

An Sitzen am Fenster,

mit dem Saft in der Hand

in fremden Bett

im viel ferneren Land,

mit Gedanken im Kopf,

die wir Beide teilten,

Stunden der Stille,

die wir nebeneinander weilten.

An Schluchzen in Pullover,

und Tränen auf der Couch.

Sah mein Lächeln für dich

nicht täuschend echt aus?

Ich denke an Weihnachten mit dir

und der Tanne in der Diele.

Dein Lachen, dein Schmunzeln,

das du immer schon spieltest.

Ich denke an nackte Nächte

zwischen nackten Wänden,

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Letzten Tage des Sommers

Das, was wir hatten,

war das wohl lauteste Stück Lachen,

das ich je singen hörte.

Dieses Kringeln auf dem Boden nachts um halb drei.

Diese leise, flüsternde Stimme,

direkt neben mir,

war das Lied meines Julis.

Diese warme, abgestandene Cola war das süßeste,

was ich je schmeckte.

Und der Sommer da mit dir.

War die längste Kurzgeschichte, die ich seit langem verfasst habe.

Wobei,

eigentlich war es eher ein Gemälde.

Eine bildhaft, malerische Geschichte, mit kurzen Aufschreien

des Glücks,

der Liebe,

und der Verzweiflung,

die keine großen Worte brauchte.

Und nun,

autofahrend nach vorne preschend,

doch stets mit dem Rückspiegel in der Hand,

sehe ich auf uns zurück.

Wir waren die schönste,  natürlichste Straße,

die ich seit so langer Zeit gefunden habe.

Und du,

warst die wohl unerwartete, verworrenste Abbiegung,

für die ich mich diesen Sommer hätte entscheiden können.

Doch deine Abwege blühten zu schön,

und deine Laternen leuchteten zu hell.

Es gibt nichts mehr zu sagen,

der Roadtrip war perfekt.

Nur leider ist die Zeit unser stetiger Feind,

und das Ende der Straße nicht mehr weit.

Ich werde den Rückspiegel behalten,

schließlich brauch‘  ich ihn ja.

Aber ich werd nur gelegentlich reinschauen,

 

also hoffentlich bis nächstes Jahr.

 

 

Verkantung

und sag mirProcessed with VSCO with b6 preset
kann ich wiederkommen wenn ich mag?
pizza essend auf bordsteinkanten,
verkantet mit armen
und bieren in der hand.
wird es das gleiche sein,
wenn wir dort liegen?
miteinander verbunden
ineinander geschlungen
nebeneinander lachend
nach all den langen nächten
und träumen getrennt.
ohneeinander.
werden wir doch die gleichen sein?
ich hoffe doch,
dass unsere verkantung
sich nicht löst,
dass wir ineinander verworren bleiben
bis es den einen von uns stört.
und nicht bloß,
weil wir nun an zwei
getrennten und doch gleichen orten hausen
sich die trennung automatisch gibt
sondern dass das was am ende zählt
wir beide sind.
und der ort an dem
unser beider
miteinander, ineinander, nebeneinander
verkanteter traum doch lebt.

Meine Monster

Wenn wir Kinder sind, werden uns Geschichten erzählt. Von Monstern im Schrank und dem Unheil, das sie zumeist mit sich bringen. Dann sitzt man in seinem Zimmer, fürchtend dass sie nachts rauskommen und dir dein Spielzeug klauen. Oder noch viel schlimmer, dich mitnehmen und du für immer mit ihnen im Schrank verschwindest.

Ich weiß nicht, wann mir das letzte mal so eine Geschichte erzählt wurde, doch es ist sicher schon einige Jahre her. Die Monster im Schrank sind jedoch geblieben. Um ehrlich zu sein sind sie sogar größer geworden. Sie tragen Namen wie Zukunft oder Verlust, Wahrheit oder Tod. Im Gegensatz zu früher kann ich mit meinen Eltern nur schlecht über sie reden und schwer uneingeschränkt ihnen meine Ängste offenbaren. Ich weiß, dass auch sie zwei Meter große Monster in ihrem Schrank haben. Doch je älter man wird, desto mehr versucht man sie zu verstecken und desto mehr schämt man sich sie mit anderen zu teilen.

Meine Monster kommen meistens heraus, wenn der Abend in die Nacht bricht, wenn ich das Licht anknipse und zum zehnten Mal auf die Toilette gehe, weil ich nicht schlafen kann. Wenn ich dann in mein Zimmer wiederkomme, stehen sie manchmal dort und erinnern mich daran, welche Gründe es gibt nicht glücklich zu sein. Was mich davon abhalten sollte, unbeschwert wieder in mein Bett zu schlüpfen und meine innigsten Träume im Schlaf wahr werden zu lassen.

Manche Monster bleiben länger als andere, einige scheinen nie ganz zu verschwinden. Manchmal begleiten sie mich, raus auf die Straße. Dann laufe ich Hand in Hand mit ihnen durch die Nachbarschaft und sie werden ein Teil von mir wie gute Freunde.

Doch sie sind nicht meine Freunde, sie sind das was ich am meisten loswerden möchte. Das ist so viel leichter gesagt als getan, begleiten sie mich doch schon seit meiner Kindheit. Sie sind mir mir gewachsen und oft noch so viel größer als ich es selbst zu sein scheine.

Die letzten Tage waren sie besonders präsent, so beschloss ich sie heute ein bisschen auszuführen. Nun kehr ich nach Hause zurück, nachdem ich mit ihnen spazieren gegangen bin, ich denke sie hatten heute genug frische Luft. Weil sie genug Zeit hatten, die Sonne draußen zu genießen, werde ich sie nun wieder in meinen Schrank schließen, in der Hoffnung dass sie genug Energie getankt haben um mich nicht so schnell nicht wieder heimzusuchen und mir meine Kraft zu rauben.

Das schönste jedoch wäre sie mit anderen zu teilen und eines Tages, ganz vielleicht, wenn das Vertrauen es zulässt, sie mit Hilfe meiner Lieben für immer in den Schrank zu sperren und zu besiegen.

Zum Weltfrauentag

Auch wenn der Weltfrauentag bereits ein paar Tage zurück liegt, schwirren mir doch immer noch Gedanken zu dem Thema Gleichberechtigung, Feminismus, #metoo etc. im Kopf herum. Ein Grund dafür ist vor allem auch dieses inspirierende Video der lieben EllaTheBee.

Dies hier soll nicht der zehntausendste Beitrag werden, in dem ich erkläre wie toll wir Frauen alle sind und in dem ich das Männer-Bashing auf das nächste Level hebe. Es soll eher darum gehen, warum der Status quo so ist, wie er nunmal ist und was vor allem wir Frauen daran ändern können.

Angefangen in unserer frühsten Kindheit ist es sicherlich so, dass wir alle (ja auch Männer haben mit Rollenbildern zu kämpfen) auf eine bestimmte Art und Weise sozialisiert werden und uns ein Stempel aufgedrückt wird, der manchmal nicht die passende Farbe zu haben scheint. Mädchen spielen halt nunmal lieber mit Puppen und Jungs freuen sich eher über einen Fußball – soweit die Theorie. Dass diese Ansichten nicht mehr zeitgemäß sind, ist an dieser Stelle sicher keine neue Erkenntnis und vielen Menschen durchaus schon bewusst. Es geht nicht unbedingt um die offensichtlichen, vor Klischees triefenden Vorstellungen und Verhaltensweisen. Sondern eher um das was dahinter steckt, die tief verwurzelten Sozialmechanismen, von denen einige Wissenschaftler behaupten, dass es keine wären, da gewisse Verhaltensmuster genetisch bedingt eher männlich oder weiblich sind. An dieser Stelle möchte ich nicht weiter darauf eingehen, ob wir nun primär durch unsere Genetik oder Sozialisation geprägt sind. Denn fest steht, dass nicht alle Frauen so und nicht alle Männer so sind.

Trotzdem gibt es gewisse Attribute die Frauen und eben auch Männer zugeschrieben werden. Und damit meine ich nicht die Barbie oder das blaue Spielzeugauto. Damit meine ich, dass Frauen generell als wärmer, herzlicher und oftmals komplizierter und Männer als härter, weniger emphatisch und rigoroser bezeichnet werden. Diese Annahmen fangen dabei an, dass Männer besser den Nagel in die Wand hauen, und hören dabei auf, dass Frauen sich vermeintlich besser um den Nachwuchs kümmern können. Das hier etwas gewaltig falsch läuft, stellt man spätestens fest, wenn die Frau selbst ihre Wohnung renoviert oder eben mal der Mann in Elternzeit geht.

Für mich stellt sich an dieser Stelle die Frage von Ursache und Wirkung. Um auf das weit verbreitete Beispiel der Gehaltsverhandlung zurückzukommen: Verzichten Frauen eher auf eine Verhandlung um mehr Gehalt, weil sie generell konfliktscheuer sind oder weil sie aus Erfahrung wissen, dass sie damit keinen Erfolg haben werden weil sie nunmal eine Frau sind?

Auf den Punkt gebracht – haben Frauen generell diese Charaktereigenschaft oder wurde ihnen diese Vorstellung von unserer Gesellschaft aufgedrängt? Sind Frauen weicher und emphatischer weil sie es wirklich sind oder weil ihnen immer eingetrichtert wurde, dass sie es zu sein haben? Diese Frage wird man hier nicht klären können. Genauso wenig wie was zuerst da war – das Huhn oder das Ei.

Der wichtige Punkt ist auch nicht, wo all diese Stigmata herkommen, sondern was wir aus ihnen machen. Niemand zwingt den Mann dazu die handwerklichen Tätigkeiten ganz auf sich zu nehmen, genauso wenig wie jemand die Frau dazu zwingt ihren Arbeitsvertrag ohne ein Wort der Verhandlung zu unterschreiben.

Es ist ein leichtes mit dem Finger auf die ‚bösen‘ Männer zu zeigen und sie zu beschuldigen, dass sie an allen Ungerechtigkeiten der Frau Schuld sind und immerzu versuchen uns klein zu halten. Viel schwieriger ist es jedoch, sich selbst groß zu machen, von dem Stempel zu befreien, der uns aufgedrückt wurde und Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen.

Egal wie sehr uns die Gesellschaft oder meinetwegen auch unsere Genetik formt, so sind wir, sowohl Frauen als auch Männer, am Ende des Tages Individuen, die in jeder einzelnen Situation neu entscheiden können, ganz gleich ob dieses Verhalten dann als männlich oder weiblich gehandelt wird. Also lasst uns doch lieber gemeinsam versuchen aus den alten Rollenbildern auszubrechen, als die Bösen zu verteufeln, die sie immer noch vertreten.

Mängelexemplar

ich bin gebunden
und ummantelt
wie das buch in meiner hand.
bin geschunden
und veraltet
von mir selbst der zehnte band.
meine worte sind verschwommen
jedes Kapitel übersprungen
das ende schon vorweg genommen.
meine färben sind verblasst
die knicke in meinem rücken
nur der alte umschlag passt.
die risse von außen kaum zu sehen
nur wenn man genau hinschaut
scheint es ein paar fehler zu geben.
trotzdem lieg ich bloß leblos da
vielleicht, denk ich für mich
bin ich ein mängelexemplar.