Diese Wärme breitet sich immer weiter aus
von dem Stück rot in meiner Brust
bis in die Fingerkuppen und Haarspitzen
sodass das einzige was ich fühle,
diese wohlige Wärme ist.
Dieses Gefühl angekommen zu sein
und doch immer noch zu suchen
eine absurde Kombination
die mich doch durch die Sommernächte trägt
aber sich so ehrlich und wahr anfühlt
dass das Suchen
auf einmal,
weshalb auch immer,
nicht mehr schmerzte.
hauptstadtliebe
Berlin
‚,Gerade als ich nach Berlin kam, meinte eine Frau zu mir, dass die Stadt dich aufsaugt, mehrmals herumschleudert und nach ein paar Jahren wieder ausspuckt‘‘, ich musste schmunzeln als ich die Worte des Typen hörte, der neben mir auf der verrauchten, leicht nach Schweiß riechenden Toilette eines Techno Clubs mitten in Neukölln stand. Er hatte Recht. Man hört häufig diesen Spruch, wenn man nach Berlin zieht. Und irgendwie stimmt er auch.
Ich wurde schon häufig gefragt, was mich dazu bewogen hat nach Berlin zu ziehen. Ob es das Studium war. Die Leute. Das Flair. Die Partys. Ich hatte immer geantwortet: ‚Die kombi aus allem eigentlich‘. Doch so ganz hatte das nie gestimmt. Ich habe mich damals nur in Berlin für ein Studium beworben. Eine andere Stadt ist nicht ernsthaft in Frage gekommen. Warum genau, das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht wirklich. Die Vielseitigkeit und Mentalität hatte mich vom ersten Tag an fasziniert. Viele Leute die hier leben, meinen es sei wie in einer Blase, abgeschirmt vom Rest der Republik. Ein bisschen stimmt es schon. Es gelten andere Regeln, sowohl rechtlich als auch sozial.
Es stimmt auch, was so viele Leute behaupten, die eben nicht in der Hauptstadt wohnen. Dass man leicht versacken kann. Dass die Stadt dazu einlädt, sein Leben auf die leichte Schulter zu nehmen. Da ist definitiv etwas dran.
Doch ich habe in den zwei Jahren mehr gelernt als nur, dass man nicht mehr als 3€ für einen Döner zahlen sollte, warum die Leute im Winter um 10 Uhr morgens eine Sonnenbrille tragen oder warum es in Techno Clubs nie Spiegel auf den Toiletten gibt.
Berlin hat mir gezeigt, was es heißt tolerant zu sein, und zwar zu jedem und allem über alles. Hier gehen die Punker mit dem Hund der Nachbarsoma spazieren und der Hipster und der Nerd treffen sich in einem Café am Boxi. Hört sich kitschig an, ist im Prinzip aber wahr. Die Leute sind generell offener, haben meist selber schon vielen gesehen und lassen sich deswegen auch weniger leicht schocken. Ich weiß, dass es auch Dinge gibt, die meine Liebeshymne an dieser Stelle etwas trüben könnten. Etwa, dass der DHL Wagen prinzipiell einfach am Haus vorbei fährt, die Straßen oft mit komplett ausgestatteten Wohnzimmergarnituren zugepflastert sind oder die S Bahnen häufiger Ersatzverkehr, als ihre normale Route fahren. Wie Peter Fox eben schon sagte:
Berlin, du kannst so hässlich sein.
Trotzalledem: Als ich hierher zog, hatte ich einige Vorstellungen, die sich mehr oder minder bewahrheiteten, doch ich war rückblickend nicht ansatzweise darauf vorbereitet, was mir diese Stadt alles bieten würde. Sowohl im positiven als auch negativen Sinne. Jetzt, zwei Jahre später, haben sich einige Freundschaften vertieft, andere sind geplatzt, das Outfit um 12 Stunden im Club durchzuhalten ist perfektioniert und die Prioritäten bezüglich Studium und Freizeit sind gesteckt.
Und ich kann ehrlich behaupten, es war die beste Entscheidung nach Berlin gezogen zu sein.
Mal sehen, was ich sage, wenn die Hauptstadt mich irgendwann wieder ausspuckt.