Ich habe es hunderte Male versucht
und bin doch jedes Mal gescheitert.
Mit gesenkten Haupt stehe ich nun abermals vor meinem inneren Gericht,
der Richter selbst trägt mein eigenes Gesicht.
Meine Haut und Seele befleckt,
wegen der Schuld, die sich in mir versteckt,
alle Aufmerksamkeit auf mich gelenkt
ehe ich mich traue aufzuschauen,
sehe ich hunderte Paare derselben Augen.
Nach Minuten der Stille
und meiner allerletzten Bitte
erhebe ich mich
ebenso wie des Richters Gesicht,
der kurz darauf mein Urteil spricht.
‘Schuldig im Sinne der Anklage’, lässt er verlauten.
Die hunderte Paare Augen
können es wie ich kaum glauben.
Ich schaue in des Richters Gesicht,
das noch immer meinem entspricht.
‘Sich frei sprechen, kann nur, wer weiß,
seine eigenen Regeln zu brechen’, fährt er fort.
‘Schuld von sich weisen und gnädig sein’,
schließt er endlich ab
‘Ist nur dem vergönnt, der sich seine eigene Schuld verzeiht
und schlussendlich auch den letzten Zwefel von sich weist.
So haben Sie, Angeklagter, uns heute gezeigt,
was schuldig sein
im Grunde wirklich heißt.
Denn die Schuld, die man sich selbst zuschreibt,
ist meist die, die bis zum Ende bleibt.
Denn selbst würde ich, Richter, sie heute frei sprechen,
den Kreislauf der Schuld
müssen Sie für sich selbst brechen.’