Auch wenn der Weltfrauentag bereits ein paar Tage zurück liegt, schwirren mir doch immer noch Gedanken zu dem Thema Gleichberechtigung, Feminismus, #metoo etc. im Kopf herum. Ein Grund dafür ist vor allem auch dieses inspirierende Video der lieben EllaTheBee.
Dies hier soll nicht der zehntausendste Beitrag werden, in dem ich erkläre wie toll wir Frauen alle sind und in dem ich das Männer-Bashing auf das nächste Level hebe. Es soll eher darum gehen, warum der Status quo so ist, wie er nunmal ist und was vor allem wir Frauen daran ändern können.
Angefangen in unserer frühsten Kindheit ist es sicherlich so, dass wir alle (ja auch Männer haben mit Rollenbildern zu kämpfen) auf eine bestimmte Art und Weise sozialisiert werden und uns ein Stempel aufgedrückt wird, der manchmal nicht die passende Farbe zu haben scheint. Mädchen spielen halt nunmal lieber mit Puppen und Jungs freuen sich eher über einen Fußball – soweit die Theorie. Dass diese Ansichten nicht mehr zeitgemäß sind, ist an dieser Stelle sicher keine neue Erkenntnis und vielen Menschen durchaus schon bewusst. Es geht nicht unbedingt um die offensichtlichen, vor Klischees triefenden Vorstellungen und Verhaltensweisen. Sondern eher um das was dahinter steckt, die tief verwurzelten Sozialmechanismen, von denen einige Wissenschaftler behaupten, dass es keine wären, da gewisse Verhaltensmuster genetisch bedingt eher männlich oder weiblich sind. An dieser Stelle möchte ich nicht weiter darauf eingehen, ob wir nun primär durch unsere Genetik oder Sozialisation geprägt sind. Denn fest steht, dass nicht alle Frauen so und nicht alle Männer so sind.
Trotzdem gibt es gewisse Attribute die Frauen und eben auch Männer zugeschrieben werden. Und damit meine ich nicht die Barbie oder das blaue Spielzeugauto. Damit meine ich, dass Frauen generell als wärmer, herzlicher und oftmals komplizierter und Männer als härter, weniger emphatisch und rigoroser bezeichnet werden. Diese Annahmen fangen dabei an, dass Männer besser den Nagel in die Wand hauen, und hören dabei auf, dass Frauen sich vermeintlich besser um den Nachwuchs kümmern können. Das hier etwas gewaltig falsch läuft, stellt man spätestens fest, wenn die Frau selbst ihre Wohnung renoviert oder eben mal der Mann in Elternzeit geht.
Für mich stellt sich an dieser Stelle die Frage von Ursache und Wirkung. Um auf das weit verbreitete Beispiel der Gehaltsverhandlung zurückzukommen: Verzichten Frauen eher auf eine Verhandlung um mehr Gehalt, weil sie generell konfliktscheuer sind oder weil sie aus Erfahrung wissen, dass sie damit keinen Erfolg haben werden weil sie nunmal eine Frau sind?
Auf den Punkt gebracht – haben Frauen generell diese Charaktereigenschaft oder wurde ihnen diese Vorstellung von unserer Gesellschaft aufgedrängt? Sind Frauen weicher und emphatischer weil sie es wirklich sind oder weil ihnen immer eingetrichtert wurde, dass sie es zu sein haben? Diese Frage wird man hier nicht klären können. Genauso wenig wie was zuerst da war – das Huhn oder das Ei.
Der wichtige Punkt ist auch nicht, wo all diese Stigmata herkommen, sondern was wir aus ihnen machen. Niemand zwingt den Mann dazu die handwerklichen Tätigkeiten ganz auf sich zu nehmen, genauso wenig wie jemand die Frau dazu zwingt ihren Arbeitsvertrag ohne ein Wort der Verhandlung zu unterschreiben.
Es ist ein leichtes mit dem Finger auf die ‚bösen‘ Männer zu zeigen und sie zu beschuldigen, dass sie an allen Ungerechtigkeiten der Frau Schuld sind und immerzu versuchen uns klein zu halten. Viel schwieriger ist es jedoch, sich selbst groß zu machen, von dem Stempel zu befreien, der uns aufgedrückt wurde und Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen.
Egal wie sehr uns die Gesellschaft oder meinetwegen auch unsere Genetik formt, so sind wir, sowohl Frauen als auch Männer, am Ende des Tages Individuen, die in jeder einzelnen Situation neu entscheiden können, ganz gleich ob dieses Verhalten dann als männlich oder weiblich gehandelt wird. Also lasst uns doch lieber gemeinsam versuchen aus den alten Rollenbildern auszubrechen, als die Bösen zu verteufeln, die sie immer noch vertreten.